Moderator: Prof. Dr. Jörg Vienken Vice President BioSciences Department Fresenius Medical Care Bad Homburg Nanotechnologie für die Life Sciences umfasst die Anwendung von Nanotechnologien in den Bereichen Gesundheit, Agrochemie und Ernährung. Für den Einsatz von Nanotechnologie in der Gesundheitsbranche hat sich die Bezeichnung Nanomedizin eingebürgert; hier sind derzeit weltweit intensive Forschungsaktivitäten zu beobachten. Ohne die anderen Bereiche auszugrenzen, soll in diesem Branchendialog der Fokus auf Nanomedizin gelegt werden. Das BMBF fördert die Nanomedizinforschung insbesondere mit der Leitinnovation NanoforLife, der Fördermaßnahme Nanobiotechnologie und Teilen der Fördermaßnahme Biophotonik. Literatur- und Patentauswertungen zeigen, dass Deutschland gerade in diesem Sektor der Nanotechnologieforschung eine relative Stärke aufweist. Bei der Produktentwicklung besteht jedoch – wie in anderen europäischen Ländern – ein deutlicher Nachholbedarf im Vergleich zu den USA. Die seit mehreren Jahren geführte Diskussion über die Probleme bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte hat bislang noch nicht zu einer sichtbaren Verstärkung der Kommerzialisierungsaktivitäten in Deutschland geführt. Ziel zukünftiger Fördermaßnahmen des BMBF ist es daher, diese Schwäche zu adressieren und zu überwinden. In diesem Branchenworkshop soll diskutiert werden, wie künftige Fördermaßnahmen des BMBF aussehen müssen und durch welche Aktivitäten anderer Ressorts sie flankiert werden sollten, um langfristig den größten „Return on Invest“ im Sinne von marktfähigen Produkten zu erzielen. Zur Strukturierung der Diskussion sind drei Leitfragen erarbeitet worden. Die nachfolgenden Ausführungen zu diesen Leitfragen sind als Anregungen gedacht. Es ist nicht Ziel, die Diskussion auf diese Punkte zu beschränken, vielmehr sollen uneingeschränkt alle Ideen und Meinungen der Workshopteilnehmer zu diesen Kernfragen aufgenommen werden. 1) Mit welchen Förderstrategien können die Kommerzialisierungspotenziale der Nanotechnologie in der Medizin am besten ausgeschöpft werden? Referent: Dr. Andreas Briel Director NanostiX Diagnostic Imaging Research Schering Berlin Bei der Entwicklung von Förderprogrammen können verschiedene Strategien im Hinblick auf den thematischen Fokus und die Förderklientel verfolgt werden. So stellt sich die Frage, ob es von Vorteil ist, Forschungsprogramme auf bestimmte Indikationsgebiete zu fokussieren, um so eine hinreichende kritische Masse für wissenschaftliche Durchbrüche zu erreichen. Weiterhin stellt sich die Frage, ob die klassische Verbundprojektförderung das geeignetste Werkzeug ist, um den Kommerzialisierungsprozess zu unterstützen. In Anbetracht der geringen Anzahl an Nanomedizin Start-ups, die in den letzten Jahren in Deutschland gegründet wurden, ist auch eine Förderstrategie denkbar, die stärker auf die Start-up-Szene fokussiert. Damit eine solche Strategie erfolgreich ist, muss zum Beispiel sichergestellt werden, dass Start-ups in der fortgeschrittenen Entwicklungsphase nicht in eine Finanzierungslücke fallen, wie es im Biotechnologiesektor zumTeil beobachtet wurde. Neben der grundsätzlichen Förderstrategie soll aber auch diskutiert werden, ob die Randbedingungen der Förderung generell (zum Beispiel zeitlicher Ablauf, Fördervolumina, geforderte Kooperationsmodelle etc.) mit den Anforderungen in der Industrie kompatibel sind. 2) Wie lässt sich eine geschlossene Kooperation entlang der Wertschöpfungskette realisieren? Referent: Dipl.-Ing. Christian Bergemann CEO chemicell GmbH Berlin In den vom BMBF eingerichteten Leitinnovationen wird die Strategie verfolgt, Technologien entlang von Wertschöpfungsketten zu fördern. Dies bedeutet, dass an den Projekten die verschiedenen Stationen der Wertschöpfung beteiligt sind, wie primäre Nanomaterialien, Halbzeuge und die Systemintegration. Dies ist in der Nanotechnologie besonders wichtig, da nicht nur die eigentliche Wertschöpfung am Ende der Kette erfolgt, sondern primäre Erzeugnisse der Nanotechnologie in der Regel nur in Form höher verarbeiteter Produkte an den Endkunden verkauft werden können. Dies heißt aber auch, dass ihr Markteintritt blockiert ist, wenn der Systemintegrator kein Interesse an den nanotechnologischen Komponenten zeigt. Hier stellt sich die Frage, ob Besonderheiten in der Medizintechnik und der Pharmabranche spezielle Herausforderungen an BMBF Programmestellen, die sich an der Wertschöpfungskette orientieren. Wie kann zum Beispiel sichergestellt werden, dass für alle Projektpartner die IP-Frage befriedigend gelöst ist? Auch stellt sich die Frage, ob Roadmapping-Prozesse bislang in Deutschland genügend genutzt wurden, um die Aktivitäten der Akteure auf gemeinsame Ziele auszurichten. 3) Welche innovationsunterstützenden Maßnahmen sind von Interesse? Referent: Dr. Falko Busse Director Philips Research Europe Hamburg Um Nanotechnologieanwendungen in der Medizin auf den Markt bringen zu können, sind eine Reihe von Rahmenbedingungen notwendig, die unabhängig von den wissenschaftlichen Förderprogrammen sind. So ist bislang noch offen, wie Nanotechnologieprodukte in der Medizin/Medizintechnik zukünftig reguliert werden. Im Gegensatz zu den USA wird in Deutschland zwischen Regulierungsbehörden und Nanomedizin-Community bislang noch kein intensiver Dialog geführt. Dies wird von Experten als eine entscheidende Kommerzialisierungshürde betrachtet, da die Industrie teure Produktentwicklungen zurückhält, bis abschätzbar wird, mit welchem Aufwand ihre Zulassung verbunden ist. Es stellt sich daher die Frage, ob der Dialog zwischen den Regulierungsbehörden und der Wissenschaft/Industrie verstärkt werden sollte, um gegenseitig über Entwicklungstendenzen und Interessenlagen besser informiert zu sein. Auch ist bekannt, dass in verschiedenen Bereichen der Nanotechnologie Deutschland im Vergleich zu den USA über eine schwache IP-Position verfügt. Können hier Maßnahmen ergriffen werden, um den Anteil deutscher Patente besonders für Schlüsseltechnologien zu stärken? Weiterhin stellt sich die Frage, ob Kliniker und Kostenträger stärker in die Diskussion mit eingebunden werden sollten, um Nanotechnologieinnovationen gezielter auf medizinische Bedarfe auszurichten und sicherzustellen, dass Kostenaspekte hinreichend berücksichtigt werden. Ein weiterer Diskussionspunkt knüpft an die Ergebnisse von Umfragen durch Medizintechnikverbände an, die ergeben haben, dass Nanotechnologie bislang gerade bei kleineren mittelständischen Medizintechnikunternehmen praktisch noch keine Rolle in der F&E spielt. Hier stellt sich die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um mittelständische Unternehmen verstärkt in die öffentlich geförderte Nanomedizinforschung einzubinden. Vertreter der Projektträger: Dr. Hans-Jörg Clar Projektträger Jülich Dr. Volker Wagner VDI Technologiezentrum GmbH |  |